Wanderung zum Yanartas – von antiker Mystik zur modernen Kinderbildung

Seit Jahrtausenden brennen sie – die „brennenden Steine Yanartas“. Seefahrern boten sie schon immer – bis heute – eine sichere Orientierung auf ihrem Weg über das Mittelmeer, hinein in die Sicherheit ruhiger Häfen. Heute ist das Geheimnis der Yanartas längst gelüftet. Die Mystik ist entschwunden. Dennoch: Für Antalya – Urlauber, die an der „türkischen Riviera“ ihren Urlaub all – inclusive genießen, kann eine Wanderung zum Yanartas zu einem Ausflug in die Antike werden, oder zu einem Lehrbeispiel für angewandte Chemie in der Schule.

Das bizarre Taurus Gebirge zieht sich entlang der türkischen Riviera. 85 Kilometer Fahrt – bevorzugt mit dem Jeep, bringen die Urlauber, die einmal mehr sehen möchten als nur Strand und Hotelbar, in eine unbeschreibliche schöne Landschaft, in der von der beinahe schon westeuropäischen Zivilisation an der Küste kaum noch etwas zu spüren ist. Die kleine Stadt Cirali liegt direkt am „Lykischen Wanderweg“, über den sich „Rucksacktouristen“ eine der schönsten türkischen Landschaften erschließen. Am östlichen Ende Ciralis geht es nur noch zu Fuß weiter. Doch der Aufstieg in 250 Meter Höhe ist in etwa 20 Minuten geschafft. Dann bietet sich den Ausflüglern inmitten der kargen Felslandschaft ein ungewohntes Bild. Die Steine scheinen zu brennen. Überall glimmen kleine Feuer, nicht höher als 30 Zentimeter.
Die kurze Wanderung zum Yanartis (türkisch für „brennende Steine) ist beendet.

Jetzt fehlt nur noch ein Streichholz oder ein Feuerzeug, und schon brennt die nächste Felsspalte in sanftem Licht. Für Kinder kann dieser Ausflug zu einem Exkurs in die angewandte Chemie werden. Für die antiken Bewohner der Taurus Region war es pure Mystik, ein verzauberter Ort, der sich ihnen bot und dazu führte, dass sie erst einmal eine Kirche errichteten, deren Überreste noch heute vorhanden sind. Eine Kultstätte entstand, in der Menschen die Übermenschlichkeit ihres Gottes demütig zelebrierten.

Das Phänomen ist natürlich längst entzaubert. Im Berg gibt es Erdgas. Die Menge schien es nie lohnenswert zu machen, es zu fördern. Das Gas entweicht seit Jahrtausenden durch Spalten, Ritzen und Löcher im Gestein und entzündet sich an nahen noch brennenden Flammen.

Der mystische Treffpunkt von einst ist längst zu einem Platz geworden, an dem Familien picknicken und sogar ihr Grillfleisch über den kleinen Gasflammen garen. Ein Ort der Kommunikation zwischen den Kulturen und trotz der Entzauberung ein Stück Bezauberung für den, der sich darauf einlassen kann.