Es war ein langer, blutiger und entbehrungsreicher Weg, den die türkische Bevölkerung gehen musste, bis sie endlich sagen konnte: „Dies ist unser Land“. Fast drei Jahre dauerte es, bis es ihnen gelang, gegen Griechen, Armenier und westliche Besatzungstruppen zu vertreiben. Sie alle hatten Territorialansprüche an die heutige Türkei gestellt. Die schwierigsten und unnachgiebigsten Gegner waren die Griechen, die sich auf ihre jahrtausende alten „Wohnrechte“ auf türkischem Land beriefen. Immer wieder musste die türkische Bevölkerung in den blutigen Kämpfen zwischen 1919 und 1922 erhebliche Niederlagen hinnehmen. Doch nach der entscheidenden Schlacht gegen die Griechen am 30. August 1922 war es endlich geschafft: Der Tag der Befreiung war gekommen. Die Türkei hatte sich erfolgreich gegen jedwede Fremdbestimmung gewehrt. Bis heute feiert die Bevölkerung dieses Datum als Tag der Befreiung. Zehn Tage später war der Krieg dann auch offiziell beendet. Alle Besatzer zogen sich zurück. In umfangreichen Vertragswerken sicherten sie der türkischen Bevölkerung die lange ersehnte uneingeschränkte Autonomie zu.
Es sollte aber noch ein weiteres Jahr vergehen, bis Mustafa Kemal am 29. Oktober 1923 endlich die neue Republik Türkei ausrufen konnte und der Tag der Befreiung erstmals offiziell gefeiert werden konnte. Nun durften die Menschen ihre Regierung selbst wählen. Für die Türken, seit Menschengedenken von „Monarchen“ wie Kalifen und Sultanen regiert, brach damit eine völlig neue Zeit an. Mustafa Kemal ging mit dem Ausrufen der Republik in die Geschichtsbücher ein, aber nicht unter diesem Namen. Sein neuer Nachname Atatürk, was „Vater der Türken“ bedeutet, war es, der ihn in der Welt bekannt machte. Als erster Präsident der Republik Türkei führte er die Menschen in die neue Geschichtsära.
So haben die Türken also zwei für sie sehr wichtige jährliche Nationalfeiertage, den Tag der Befreiung und den Nationalfeiertag am 29. Oktober. Beide Tage feiern die Menschen unterschiedlich. Am Tag der Befreiung findet jährlich der so genannte Atatürk – Lauf statt. Den Tag ihrer Republikgründung begehen die Türken festlich mit Paraden, Musik und Tanz auf allen Straßen. Inzwischen hat sich am Rande dieses Festes eine Tradition etabliert. Wer gegen irgendetwas demonstrieren möchte, tut es an diesem Tag, nicht am Tag der Befreiung. Dieser ist mit dem Volkslauf ausschließlich dem Gedenken an den Republikgründer Atatürk gewidmet.