Lange diente er als Wohn- und Regierungssitz der Sultane und als Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches. Heute ist der Topkapi-Palast in Istanbul ein Museum. Nicht nur die imposanten Bauten selbst mit ihrer geradezu verschwenderischen Fülle von schönsten Ausstattungs- und Einrichtungsgegenständen, sondern vor allem auch seine Lage macht den einstigen Palast zu einem Ausflugsziel der Sonderklasse.
Der Topkapi – Palast steht auf der Landspitze „Saraybumu“ zwischen dem „Goldenen Horn“, einer sieben Kilometer langen Bucht, und dem Marmarameer. Dem Besucher bietet sich ein einmaliger Panoramablick auf Istanbul, den Bosporus und das „Goldene Horn“. 1453, nach der Eroberung Konstantinopels, begannen die Bauarbeiten zu dem ehrgeizigen Projekt, das später eine eigene Stadt werden sollte. Im 18. Jahrhundert erfolgte ein Um- und Ausbau, der dem Palast sein heutiges Erscheinungsbild gab.
Bis zu 5000 Menschen lebten im Topkapi – Palast, der nach alter türkischer Tradition aus vier so genannten Höfen besteht. Auf 69 Hektar Fläche entstanden nicht nur Gebäude, sondern auch Parks und Gärten. Die einzelnen Höfe erreicht der Besucher durch jeweils eigene Tore. Im ersten Hof befanden sich die Räumlichkeiten, in denen Dienstleistungen angeboten wurden, und ein parkähnlicher Hof, Austragungsort von Paraden aller Art. Der zweite Hof bildete das politische Zentrum des Palastes. Hier arbeiteten die Staats- und Verwaltungsfachleute, die Lanzenträger lebten hier. Die Palastküche, in der täglich über 6000 Mahlzeiten hergestellt wurden, nahm den gesamten östlichen Teil des Gebäudes ein. Durch das „Tor der Glückseligkeit“ durften nur ausgesuchte Gäste den dritten Hof im Topkapi – Palast betreten. Bis zu 2000 Frauen lebten hier abgeschieden von der Außenwelt unter der Leitung ihrer Haremsmutter. Aber auch die Privatgemächer des Sultans und der Thronsaal befanden sich in diesem Teil. Neben den Toren lag die Palastschule, in der der Verwaltungsnachwuchs ausgebildet wurde. Um Korruption von vornherein auszuschließen, mussten die jungen Männer, die hier unterrichtet wurden, klare Voraussetzungen erfüllen. Sie mussten Waisen sein, durften keine im Palast arbeitenden Verwandten haben. Und sie durften keine Türken sein.
Der vierte Hof bildet seit 1923 das eigentliche Museum im Topkapi – Palast. Sammlungen von feinstem Porzellan, Handschriften, Portraits, Gewändern, Juwelen und Waffen aus dem osmanischen Reich geben beeindruckend Aufschluss über den frühen Reichtum. Da hier auch Reliquien wie die Waffen Mohammeds, einige der ältesten Koranexemplare, aber auch die Barthaare Mohammeds zu sehen sind, empfinden konservative Muslime das Eindringen westlicher christlicher Besucher als unangebracht. Der vierte Hof ist aber auch der Standort der Parkanlagen und Gärten. Auf mehreren Terrassen durchschreitet der Besucher die Anlage, in der ihn dank unterschiedlichster Bepflanzung wahre Sinnenfreuden erwarten. Auch der Topkapi – Palast selbst versetzt den Gast in Träumereien über 1001 Nacht. Edelste Baumaterialien wie Marmor und Tropenhölzer, kostbarste Teppiche und Mobiliar sowie tonnenweise verarbeitetes Blattgold – ein Sultanspalast wie die Menschen ihn erwarten.